Typografie, Schriftgestaltung
Stumme Regular – eine Schrift, die heißt, wie sie schweigt
Diese Schrift trägt den Namen ihres Gestalters, und das ist nur die halbe Wahrheit des Wortspiels: Typografie ist stumm. Sie spricht, ohne einen Laut zu machen — Worte, die sich aus Büchern und Gedanken lautlos im Kopf entfalten. Wer die Stille liebt und die Kontemplation, wer Schriftzeichen als das begreift, was sich erst im Leser vollendet, der konnte seine eigene Schrift kaum anders nennen. Stumme Regular: ein Name, ein Programm, ein Selbstporträt in 26 Versalien.
Schriftgestaltung als leises Handwerk
Schriftgestaltung ist die langsamste Disziplin des Grafikdesigns — monatelange Arbeit an Kurven, die niemand bemerken soll. Eine gute Schrift drängt sich nicht vor den Text, sie dient ihm; sie ist da und hält den Mund. Die Stumme ist eine geometrische Sans Serif, ausschließlich aus Großbuchstaben, mit ausgewogenen Proportionen — ruhig, aufgeräumt, ohne Manierismen. Eine Schrift, die zuhören kann.
Die Werkzeugkiste
Im Alltag ist die Stumme etwas Handfesteres: die Werkzeugkiste dieser Werkstatt. Sie dient als Basis für Logo-Gestaltungen — einzelne Zeichen werden je nach Projekt modifiziert, verformt, weitergedacht. Oft ist sie nur der erste Ansatz, und das Ergebnis sieht am Ende ganz anders aus; aber der Anfang mit den eigenen Buchstaben ist der Unterschied zwischen Gestalten und Zusammensuchen. Wer bei jedem Logo mit einer gekauften Schrift beginnt, beginnt mit der Handschrift eines anderen.
Am Anfang war das Wort. Hier war es immerhin das eigene.