Logo, Typografie
Monogramm-Gestaltung München
Ein Privatkunde aus München, zwei Namen: Regina und Victoria. Daraus wurde ein Monogramm — R und V, verschmolzen zu einem eigenständigen Zeichen. Gelb auf Pink, selbstbewusst statt dezent. Ein Monogramm ist das persönlichste Stück Typografie, das man beauftragen kann: kein Firmenlogo, kein Produkt. Nur zwei Menschen und ihre Buchstaben.
Exkurs: Eine kurze Geschichte des Monogramms
Das Monogramm ist älter als fast alles, was wir Gestaltung nennen. Die ersten Beispiele stammen aus dem 5. Jahrhundert vor Christus; das bekannteste ist das Christusmonogramm aus Chi und Rho, das schon vor Konstantin verwendet wurde und zu den ältesten christlichen Symbolen zählt. michael-stumm
Das schönste Kapitel schrieb ein Mann, der nicht schreiben konnte. Das Karolus-Monogramm war das offizielle Signum Karls des Großen: Ein Schreiber zeichnete es vor, der Kaiser setzte nur den finalen Vollziehungsstrich und machte es damit gültig. Die Konsonanten K, R, L und S sind über ein Kreuz verbunden, die Raute in der Mitte enthält die Vokale — das ganze KAROLUS in einem einzigen Zeichen. Ein Analphabet regierte Europa mit einem perfekt konstruierten Stück Typografie. Seitdem weiß man: Das Zeichen ist die Unterschrift, nicht die Handschrift. EFVM
In der Renaissance machte Albrecht Dürer sein AD-Monogramm zur Signatur zahlloser Werke — es wurde zum Synonym für Qualität und Handwerkskunst. Dürers AD ist, wenn man so will, das erste deutsche Markenzeichen mit Wiedererkennungswert. Was danach kam — verschlungene Initialen auf Wäsche, Silber und Briefpapier — ist die bürgerliche Fortsetzung einer kaiserlichen Idee: Besitz, in Buchstaben gefasst. Universitätsklinikum Brandenburg an der Havel
Exkurs, Teil zwei: Das Exlibris
Die Schwester des Monogramms lebt im Buch. Ein Exlibris — lateinisch „aus den Büchern" — ist das eingeklebte Besitzzeichen des Buchbesitzers. Die ersten stammen aus dem Heiligen Römischen Reich am Ende des 15. Jahrhunderts; als ältestes erhaltenes gilt das Holzschnitt-Exlibris des Buxheimer Kartäusermönchs Hilprand Brandenburg von Biberach, entstanden um 1470 bis 1490 — rund 450 Bücher stiftete er dem Kloster, jedes mit seinem Wappen-Holzschnitt markiert. Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor
Fontane Universitätsklinikum Brandenburg an der Havel
Aus derselben Zeit stammt mein Lieblingsstück der Gattung: das Exlibris des hessischen Vikars Hanns Igler Knabensberg — ein Igel im Gras, dazu der Spruch „Hans Igler, das dich ein Igel kuss". Ein Wortspiel auf den eigenen Namen, als Buchschutz gegen Diebe. Humor als Gestaltungsmittel, anno 1470. Um 1500 gestalteten dann die Großen des Fachs Exlibris: Dürer, Cranach der Ältere, Holbein der Jüngere — und um 1880 erlebte die Gattung ihre Wiederbelebung, mit einer Blüte im Jugendstil. Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane
Die Lehre aus fünfhundert Jahren: Ein gutes Besitzzeichen ist klein, präzise und persönlich. Es muss auf einer Briefmarke funktionieren und eine Geschichte tragen. Nichts anderes verlange ich von einem Monogramm heute.
Zurück nach München
Das RV-Monogramm steht in dieser Tradition — eigens gezeichnete Buchstaben, eine Ligatur, ein Zeichen. Es funktioniert auf Briefpapier, als Prägung, als Siegel, als Gravur. Karl der Große brauchte dafür einen Schreiber. Sie brauchen nur einen Grafiker.